In dieser Studie analysieren wir die organische und bezahlte Social-Media-Kommunikation politischer Kandidieren- der, Parteien und anderen Social-Media-Nutzerinnen und Nutzern im Vorfeld der deutschen Bundestagswahl 2021. Wir dokumentieren die Investitionen der wichtigsten Parteien in Facebook-Werbung, ihre Targeting-Strategien und das Engagement, das sie organisch erreicht haben, sowie die Aktivität koordinierter Netzwerke von Facebook-Seiten und -Gruppen, die sich mit der Wahl befassen. Wie schon im Jahr 2019 (Hegelich & Serrano, 2019) erreichte die AfD ein außergewöhnlich hohes Engagement auf Facebook. Aber nicht die CDU, sondern Die Grünen führten die Rangliste der Facebook-Werbeinvestitionen im Jahr 2021 an. Dennoch wurden beide bei der Gesamtzahl der Anzeigenaufrufe von der FDP überholt, die insgesamt weni- ger ausgab, aber eine höhere Anzahl von Anzeigen schaltete. Bei der Betrachtung von Microtargeting zeigen unsere Ergebnisse, dass der Inhalt einiger Anzeigen ausschließlich auf Frauen oder junge Generationen ausgerichtet war. Sie machten jedoch nur einen geringen Anteil an der Gesamt- zahl der von Parteien und Kandidierenden geschalteten Anzeigen aus. Des Weiteren fanden wir große koordinierte Netzwerke auf Facebook (Giglietto, Righetti, Rossi, & Marino, 2020), die Anti-Establishment-Narrative sowie Botschaften gegen die Corona Schutzmaßnahmen und gegen die COVID-19- Politik im Allgemeinen verbreiteten. In diesen Netzwerken waren harsche Kommentare gegen die Gegnerinnen und Gegner und ein breites Spektrum an Quellen, die Desinformationen (NewsGuard, 2021) während der Wahlen verbreiteten, üblich. Bei der Betrachtung der Ergebnisse muss beachtet werden, dass die hier durchgeführten Analysen aufgrund von Ein- schränkungen beim Datenzugang schnell an Grenzen gestoßen sind. Insbesondere das Fehlen von Facebook-Daten über die Aktivitäten einzelner Nutzerinnen und Nutzer verhindert die Untersuchung des möglichen Einsatzes von Bots, die in schneller Abfolge Inhalte in mehreren öffentlichen Gruppen posten und die Interaktionsmetriken aufblähen. Das Fehlen von Daten über Facebook-Kommentare verhindert die Analyse koordinierter Strategien, die darauf abzielen, unter dem Radar von Faktenprüferinnen und Faktenprüfern und Reglementierung durch die Plattform zu bleiben. Der Mangel an genaueren Daten über Werbung hat uns auch daran gehindert, neben den allgemeinen Fällen in Bezug auf Geschlecht und Alter auch Microtargeting-Strategien zu untersuchen.

POLITISCHE WERBUNG UND KOORDINIERTES VERHALTEN IN SOZIALEN MEDIEN IM VORFELD DER BUNDESTAGSWAHL 2021

Nicola Righetti
;
Fabio Giglietto;Giada Marino;Massimo Terenzi
2022

Abstract

In dieser Studie analysieren wir die organische und bezahlte Social-Media-Kommunikation politischer Kandidieren- der, Parteien und anderen Social-Media-Nutzerinnen und Nutzern im Vorfeld der deutschen Bundestagswahl 2021. Wir dokumentieren die Investitionen der wichtigsten Parteien in Facebook-Werbung, ihre Targeting-Strategien und das Engagement, das sie organisch erreicht haben, sowie die Aktivität koordinierter Netzwerke von Facebook-Seiten und -Gruppen, die sich mit der Wahl befassen. Wie schon im Jahr 2019 (Hegelich & Serrano, 2019) erreichte die AfD ein außergewöhnlich hohes Engagement auf Facebook. Aber nicht die CDU, sondern Die Grünen führten die Rangliste der Facebook-Werbeinvestitionen im Jahr 2021 an. Dennoch wurden beide bei der Gesamtzahl der Anzeigenaufrufe von der FDP überholt, die insgesamt weni- ger ausgab, aber eine höhere Anzahl von Anzeigen schaltete. Bei der Betrachtung von Microtargeting zeigen unsere Ergebnisse, dass der Inhalt einiger Anzeigen ausschließlich auf Frauen oder junge Generationen ausgerichtet war. Sie machten jedoch nur einen geringen Anteil an der Gesamt- zahl der von Parteien und Kandidierenden geschalteten Anzeigen aus. Des Weiteren fanden wir große koordinierte Netzwerke auf Facebook (Giglietto, Righetti, Rossi, & Marino, 2020), die Anti-Establishment-Narrative sowie Botschaften gegen die Corona Schutzmaßnahmen und gegen die COVID-19- Politik im Allgemeinen verbreiteten. In diesen Netzwerken waren harsche Kommentare gegen die Gegnerinnen und Gegner und ein breites Spektrum an Quellen, die Desinformationen (NewsGuard, 2021) während der Wahlen verbreiteten, üblich. Bei der Betrachtung der Ergebnisse muss beachtet werden, dass die hier durchgeführten Analysen aufgrund von Ein- schränkungen beim Datenzugang schnell an Grenzen gestoßen sind. Insbesondere das Fehlen von Facebook-Daten über die Aktivitäten einzelner Nutzerinnen und Nutzer verhindert die Untersuchung des möglichen Einsatzes von Bots, die in schneller Abfolge Inhalte in mehreren öffentlichen Gruppen posten und die Interaktionsmetriken aufblähen. Das Fehlen von Daten über Facebook-Kommentare verhindert die Analyse koordinierter Strategien, die darauf abzielen, unter dem Radar von Faktenprüferinnen und Faktenprüfern und Reglementierung durch die Plattform zu bleiben. Der Mangel an genaueren Daten über Werbung hat uns auch daran gehindert, neben den allgemeinen Fällen in Bezug auf Geschlecht und Alter auch Microtargeting-Strategien zu untersuchen.
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